Vorurteil: Das Kind wird zu sehr verwöhnt.

Um es ganz deutlich zu sagen: Nein, kein Kind wird durch Tragen verwöhnt!

Ganz im Gegenteil: Das Grundbedürfnis nach Nähe, Wärme, Liebe und Sicherheit wird dabei ganz natürlich gestillt. Die Kleinen werden schon von selbst aus dem Tragealter herauswachsen und die Welt mit einem Urvertrauen entdecken, das durch das Tragen gestärkt wurde.

Studien aus der Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft belegen: Anders als bei uns in den westlichen Industriegesellschaften genießen Säuglinge und Kleinkinder in traditionell lebenden Kulturen beinahe ständig Körperkontakt mit ihren Müttern, Vätern und Geschwistern. Sie sind früher selbstständig als Gleichaltrige in den USA oder Westeuropa.

Vorurteil: Getragen-Werden verursacht Haltungsschäden.

Im Gegenteil: Ein korrekt gebundenes Tragetuch oder eine gut sitzende Tragehilfe unterstützt die natürliche Haltung. Fast 10 Monate ist die Wirbelsäule des Säuglings im Bauch der Mutter gerundet. Sie muss sich erst langsam strecken (ca. ein bis zwei Jahre), um die S-Form des Erwachsenen zu erhalten. Auch deshalb ist die Spreiz-Anhock-Haltung im Tragetuch wichtig.

Eine Untersuchung von Kirkilionis an 192 getragenen Kindern aus Naturvölkern belegt, dass die Häufigkeit von Haltungsauffälligkeiten bei diesen Kindern unter dem durchschnittlichen Prozentsatz liegt.

Vorurteil: Tragen verursacht Haltungsschäden.

Nur für Eltern mit vorgeschädigtem Rücken mag dies zutreffen – bitte sprich mit Deinem Arzt oder Krankengymnasten, ob Tragen für Dich in Frage kommt, wenn Du unter (akuten oder chronischen) Rückenproblemen leidest.

Für alle anderen gilt: Korrektes Tragen (d.h. korrekt gebundenes Tuch, optimal eingestellte Tragehilfe, Kind nah am Körper und Tragepausen) verursacht keine Haltungsschäden.

Vorurteil: Das Kind bekommt nicht genug Luft.

Wenn Du darauf achtest, dass das Näschen Deines Babys freiliegt, ist das gar kein Problem. Durch Deine Bewegungen zirkuliert auch die Luft im Tuch und sorgt für Frischluftaustausch. Es ist zudem wichtig, Babys im Tuch oder unter einer Jacke nicht zu dick einzupacken, da sie dann eher überhitzen als frieren.

Die „Kölner Studie“ über die Sauerstoffaufnahme von Frühgeborenen im Tuch (Untersuchung der Universität zu Köln) besagt, dass die Sauerstoffaufnahme eines Neugeborenen im Tragetuch nur um ca. 1 % geringer ist als ohne Tuch, weil das Baby im Tragetuch viel ruhiger und entspannter atmet.