„Das Kind bekommt doch gar keine Luft"

04.12.2020 08:00

 Die Aussage, das Kind würde im Tragetuch oder der Tragehilfe keine Luft bekommen, hört man im Laufe der Tragezeit sicher das ein oder andere Mal und diese Angst ist in der Tat nicht unbegründet.

 Immer wieder sieht man im Tragealltag in "freier Wildbahn" zu locker gebundene Tragetücher oder Tragehilfen, die zu wenig festgezogen wurden. Die Kinder sind oft nur zu erahnen, da sie dabei häufig in sich zusammensacken und weder Kopf noch Gesicht sichtbar aus der Trage oder dem Tuch herausragen.

 Die Kinder sind durch die fehlende Rumpfstabilität noch nicht in der Lage sich selbst aufrecht zu halten. Daher sind sie auf die Stützung durch das Tragetuch oder die Tragehilfe angewiesen. Bekommen sie diesen Halt nicht, werden sie "zu rund". Dabei fällt ihr Kinn auf ihren Oberkörper und im schlimmsten Fall tauchen sie sogar komplett im Tuch ab. Durch dieses Zusammensacken ist es den Kindern nicht mehr möglich so gut zu atmen wie es aufrecht, gut gestützt und mit freien, sichtbaren Atemwegen der Fall ist. Wenn das Tuch über dem Gesicht des Kindes liegt und die Atemwege bedeckt, können sogenannte CO2-Nestern entstehen, die dem Kind gefährlich werden könnten. Eine adäquate Sauerstoffzufuhr ist nicht mehr gegeben.



Hier unsere Tipps für freie und sichtbare Atemwege

Beim Aufnehmen das Kindes bitte immer über die Seite drehen und sanft auf der Schulter ablegen. Das Kind weiterhin mit einer Hand im oberen Rücken stabil halten und abstützen, damit es beim "ins Tuch gleiten" nicht wegkippt oder in sich zusammensacken kann. Wenn der Schwerpunkt sich nur unter dem Popo des Kindes befindet ist, ist die Gefahr groß, dass es abtaucht! Exaktes Handling beim Kind ist ausschlaggebend für das Endergebnis in der Trage oder dem Tuch!

Ausreichendes Festziehen des Tuches oder der Tragehilfe ist elementar, damit diese das Kind ausreichend abstützt und stabilisiert und somit ein Abtauchen im Tuch verhindert wird.

Die Kopfkante beim Tragetuch oder der Tragehilfe sollten dem Kind bis Mitte des Ohren reichen und nicht über den Kopf des Kindes gezogen werden. Die Atemwege des Kindes MÜSSEN immer frei und sichtbar sein und auch bleiben! Tragetücher werden nicht aufgefächert oder über das Kind gespannt. Das Kind darf nicht komplett im Tuch verschwinden!

Eine Kopfstütze wird so verwendet, dass immer nur der Hinterkopf des Kindes abgestützt ist. Sie sollte auch nur bis Mitte des Ohres vom Kind reicht! Auch hier gilt: freie Atemwege! Sie ist nicht dafür gedacht, oben das Kind komplett abzudecken.

Für Tragecover, Tragejacken oder Einsätze gilt das Gleiche: auch hier verschwindet nicht das ganze Kind, sondern die Atemwege müssen frei und unbedeckt bleiben!


Mit diesen Tipps steht dem sicheren Tragen nichts mehr im Wege.

 Happy Babywearing 

#freieatemwege