"Wenn Du Dein Kind einmal trägst, will es das immer!"

26.11.2020 17:28

  Diesen Satz hat man sicherlich schon gehört. Dieses mal geht es aber gar nicht darum, dies zu widerlegen sondern wir stellen heute die Frage nach dem WARUM ?!

  Ist es wirklich so, dass wenn das Kind einmal getragen wird, wir damit den Grundstein legen, dass das Kind dies nun immer einfordert? Ist es womöglich unsere "Schuld", dass sich das Kind nicht mehr gerne ablegen lassen möchte und viel lieber an unserem Körper getragen wird?


  Die Antwort lautet: NEIN 



Der Mensch- ein Tragling- kein Liegeling

Der Mensch ist, wenn er geboren wird eine physiologische Frühgeburt. Diesen Begriff prägte der Biologe Adolf Portmann. Es besagt, dass der Mensch viel zu früh und völlig unfertig auf die Welt kommt und es einer Schwangerschaft von 21 Monaten bedürfte, dass der Mensch den Entwicklungsstand hat, den viele höher entwickelte Lebewesen meist schon nach der Geburt haben. Der Mensch wird also 1 Jahr zu früh geboren.

Die Biologie teilt Lebewesen in 3 Kategorien ein:

  • Nesthocker
  • Nestflüchter
  • Tragling

...und wie ihr Euch sicher denken könnt, zählt der Mensch zur Kategorie Traglinge

Der Mensch ist bei seiner Geburt völlig hilflos und auf Schutz, Körperkontakt und Nähe angewiesen. Als Tragling kann er am Körper des Tragenden außerhalb des Mutterleibes nachreifen und seine Umwelt erleben. Sanft und geborgen. Der Nestflüchter ist direkt ab Geburt in der Lage, sich seiner Mutter anzuschließen und sich mit ihr gemeinsam oder alleine fortzubewegen. Das Baby ist mit all seiner "physiologischen Ausstattung" und seinen Bedürfnissen auf das Getragen-werden ausgelegt. Der Greifreflex als aktive Beteiligung des Kindes beim Getragen-werden. Die Anhock-Spreiz-Haltung als Vorbereitung auf den Hüftsitz und der gerundete Rücken ermöglichen ein ankuscheln an den Körper. Ein weiteres jungentypisches Merkmal des Traglings ist, dass die Muttermilch kurz sättigend ist. Es macht klar, dass es evolutionsbiologisch so vorgesehen ist, dass der Kontakt zwischen Mutter und Kind eng ist und das Kind jederzeit auf Nahrung zurück greifen kann. Bei den Nesthockern ist die Nahrung lange sättigend und sie verhalten sich still, wenn die Eltern nicht greifbar sind. Beim Tragling sieht das anders aus, hier findet ein Kontaktweinen statt, um die Bezugsperson zu sich zu rufen.

Ja aber, WARUM lassen sich Traglinge, in unserem Fall Menschenkinder denn nun meist nicht ablegen?

Kinder sind evolutionär so programmiert, dass sie immer den Schutz der Eltern suchen. Als Tragling sind sie gewohnt, getragen und in Bewegung zu sein. Ein nicht bewegtes, also liegendes Kind hat vor Tausenden Jahren den sicheren Tod bedeutet. Groß war die Gefahr, von wilden Tieren aufgespürt zu werden.... Nur leider wissen diese kleinen Menschenkinder noch nicht, dass sie mittlerweile gut geschützt und behütet, hinter dicken Mauern sind. Also tun sie das, was sie seit Tausenden von Jahren tun, sie rufen nach uns, um sicher zu sein, dass sie nicht alleine sind. Sobald sie hochgenommen werden, setzt die Beruhigung ein, da sie dann dort sind, wo sie hingehören: an den Körper der Eltern - ganz Tragling like.


 Happy Babywearing 

#tragling


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